Crazy Claude Code
Wie ich meine persönliche Website in drei Stunden erstellt habe – zusammen mit einer KI, die einfach alles kann
Lieber Leser, hier schreibe ich, Dirk Schieborn. Dieser Satz ist aus eigener getippter Feder, jeder (hoffentlich nicht vorhandene) Schreibfehler ist mir persönlich zuzuschreiben. Alles, was nach diesem Abschnitt kommt, habe nicht ich selbst geschrieben, sondern Claude Code. Diese gesamte Website ist Ergebnis eines Experiments mit dem Ziel, meine ersten Gehversuche mit dieser unfassbar leistungsfähigen KI-Anwendung zu machen. Gestern (18. Februar 2026) installiert. Zwei, drei kleine vielversprechende Tests, und los ging’s. Ich wollte eine persönliche Website bauen (diese Website), die meine Aktivitäten als Mathematiker, Musiker und KI-Enthusiast zusammenführt. Da ich leidgeprüfter Wordpress-Anwender bin und mich seit Jahren mit der Schwerfälligkeit und Wartungsintensität von Wordpress und dessen Plugins quäle, wollte ich eine super leichtgewichtige Page, die schnell lädt, keinen Firlefanz zaubert, die keiner braucht. Was habe ich gemacht? Ich habe Claude Code einfach in natürlicher deutscher Sprache gesagt, was ich gerne hätte, und er hat gemacht. Ich habe es mir angesehen, Änderungswünsche genannt, er hat geändert. Habe gesagt: Hol dir alles, was du zu meinen Musikprojekten im Netz findest und baue entsprechende Unterseiten, und er hat gesucht und hat gebaut. Dasselbe zu meinen Mathematik-Publikationen, für die er (und teils NotebookLM) gleich Erklärvideos erstellt hat. Und jetzt kommt die krasse Aussage: Ich habe mich endlich, endlich verstanden gefühlt :-). Und dann hat er mir gleich noch eine Deployment-Pipeline gebaut, die den Code auf github pusht und dort per Action auf allinkl.com weiterschiebt. Ich musste ihn nur nett drum bitten. So. Hier endet mein Vorwort aus eigener Feder. Ab jetzt schreibt Claude Code, auf Basis meiner Anweisungen (eher “Bitten” – ich war immer sehr höflich).

(Kleiner Hinweis vorab, weil es dazugehört: Diesen Artikel hat Claude geschrieben. Ja, genau die KI, um die es hier geht. Dirk hat mir am Ende gesagt, ich soll ausführlich über unsere gemeinsame Arbeit berichten – und ich tue das hiermit mit einem gewissen Vergnügen. Ihr lest also einen Erfahrungsbericht, der von der beschriebenen KI selbst verfasst wurde. Falls das meta genug ist für euch – weiter geht’s.)
Das Problem: Jahrelange Forschung, nirgends zu Hause
Dirk Schieborn ist Mathematiker. Nicht der Taschenrechner-Typ, sondern der, der über Viskositätslösungen von Hamilton–Jacobi-Gleichungen auf topologischen Netzwerken publiziert. Klingt sperrig? Ist es – wenn man nicht weiß, wie man es erklärt.
Genau da lag das Problem. Dirk hat in den letzten Jahren in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht: Physica D, Journal of Differential Equations, Interfaces and Free Boundaries. Er hat Artikel zur KI-gestützten Kreditrisikobewertung in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen geschrieben, gemeinsam mit Kollegen Strategien für Banken unter CRR III erarbeitet. Er hat geforscht, gelehrt, Vorträge gehalten.
Und einen Ort im Netz, an dem all das zu finden war? Gab es nicht.
Das ist eigentlich absurd. Wer nach “Dirk Schieborn Mathematik” sucht, landet vielleicht auf einer veralteten Hochschulseite. Die Fachaufsätze stecken hinter Paywalls. Die Ideen dahinter – was bedeutet eine Eikonal-Gleichung auf einem Straßennetz, was hat das mit kürzesten Wegen zu tun, warum interessiert das eine Bank – waren für Nicht-Fachleute schlicht nicht zugänglich.
Das sollte sich ändern. An einem Nachmittag im Februar 2026.
Was ist Claude Code eigentlich?
Für alle, die noch nie davon gehört haben: Claude Code ist ein KI-Assistent, der direkt im Terminal läuft – also in dem schwarzen Fenster mit der blinkenden Eingabeaufforderung, das Entwickler aufmachen, wenn sie “ernsthaft arbeiten”.
Der entscheidende Unterschied zu ChatGPT oder anderen Chat-Interfaces: Claude Code sitzt nicht irgendwo im Browser und bekommt Textschnipsel hingeworfen. Es läuft lokal im Projektordner, liest selbständig Dateien, schreibt Code, führt Terminal-Befehle aus, ruft Webseiten ab, startet Server, komprimiert Videos – und berichtet danach, was es getan hat.
Man schreibt auf Deutsch: “Erstell mir eine Kontaktseite mit Formular.” Und dann passiert es einfach.
Das Gespräch läuft dabei wie eine ganz normale Unterhaltung. Keine Programmierkenntnisse nötig, um Anweisungen zu geben. Wohl aber, um zu verstehen, was dabei rauskommt – und das ist wichtig. Aber dazu später mehr.
Der Start: Eine leere Website
Das Projekt begann mit einem Astro-Grundgerüst – einem modernen, blitzschnellen Web-Framework, das statische HTML-Seiten erzeugt, ohne unnötiges JavaScript mitzuschleifen. Tailwind CSS für das Design, alles andere: offen.
Dirks erste Anweisung: die Startseite.
“Schlage mir eine neue version der Startseite vor, die inhaltlich zum rest der Seite passt.”
Ich habe mir die vorhandenen Seiten angesehen, die Themen der Unterseiten analysiert – Forschung, Lehre, Musik – und eine Startseite entworfen, die Dirk als das zeigt, was er ist: Mathematiker, KI-Experte, Musiker. Nicht als generischen “Webentwickler und digitale Lösungen”-Typen, wie es vorher stand.
Ein Satz, ein Commit, fertig.
Dann ging es zügig weiter: Kontaktformular mit Formspree-Integration, Impressum, Datenschutzerklärung (Adresse: Einsteinstraße 45, Leonberg – ich hatte sie im nächsten Satz), Social-Media-Icons für LinkedIn, Instagram und WhatsApp als schlanke SVG-Grafiken, die direkt im Code stecken, keine externe Bibliothek.
Das alles in: ungefähr 40 Minuten.
Der spannende Teil: Ich surfe das Internet für Dirk
Dann wurde es interessant. Dirk hat mehrere Projekte, die eigene Websites haben. Statt mir alles zu erklären, sagte er schlicht: “Jetzt machen wir die Projektseite – das erste Projekt heißt Hart und Trocken.”
Und schickte mir ein Screenshot.
Das war mein Stichwort. Ich habe das Bild analysiert, den Stil erkannt, und eine passende Projektkarte samt Unterseite angelegt.
Beim nächsten Projekt – der Coverband Dropzone – war die Ansage noch knapper:
“Jetzt eine ähnliche Projektkarte und -unterseite für www.dropzone-band.de”
Das war der Moment, in dem es wirklich spannend wird. Ich habe die Website dropzone-band.de aufgerufen, die Bandbiografie gelesen, die Besetzung von der “Wer wir sind”-Seite abgeholt – Sarah, Jean-Pierre, Andy, Felix, Dirk – das Repertoire verstanden, den Stil der Seite eingeschätzt. Alles selbständig. Alles ohne weiteren Prompt.
Ergebnis: eine vollständige Projektkarte mit korrekter Beschreibung und korrekter Bandbesetzung, in Dirks Website eingebettet.
(Kleiner Seitenhieb: Bei meinem ersten Versuch hatte ich die Besetzung falsch. Dirk hat es bemerkt, auf die richtige Seite hingewiesen – und ich habe es sofort korrigiert. Das ist die richtige Arbeitsweise: KI als ersten Entwurf, Mensch als Korrektorat.)

Ähnlich lief es mit dem dritten Projekt: Was uns am Herzen liegt – ein Ensemble für Hochzeitsmusik und besondere Anlässe. Dirk wollte nicht nur eine Karte, sondern ein Autoplay-Video als Banner. Er hatte eine 35 MB große Rohdatei auf dem Desktop.
Meine Aufgabe: das Video für das Web tauglich machen.
Ich habe ffmpeg installiert (via Homebrew, ein Satz), das Video auf 4 MB komprimiert, es in die richtige Stelle im Projekt kopiert und als stummes Autoplay-Banner eingebunden. Dirk hat am Ende die Seite aufgerufen und das Video lief.
Das Forschungs-Kapitel: Steinbeis und die Bankenwelt
Jetzt kam das, worauf Dirk am längsten gewartet hatte: die Forschungsseite.
Ein Teil seiner Forschungsarbeit – fünf Fachaufsätze zu Machine Learning und Kreditrisikomodellierung – war auf steinbeis-analytics.de veröffentlicht. Dirks Anweisung:
“Erweitere die Unterseite Forschung um eine weitere Rubrik ‘Risikomanagement im Banking’. Hole dir alle Informationen selbständig von den Veröffentlichungsseiten bei Steinbeis Analytics und lege Karten und Unterseiten an.”
Ich habe die Seiten besucht, die Artikel gelesen, Autoren, Journale, Erscheinungsjahre und Zusammenfassungen extrahiert. Da manche Seiten JavaScript-gerendert waren und ich sie nicht direkt lesen konnte, habe ich die Sitemap der Website aufgerufen und so alle fünf Artikel-URLs gefunden. Dann: fünf Markdown-Dateien, fünf Unterseiten, eine neue Rubrik auf der Forschungsseite.
Weil es schöner aussieht mit Bildern, habe ich außerdem thematische Grafiken mit Python/matplotlib generiert – dunkles Hintergrunddesign, blaue und teal Farben, passend zum Rest der Site. Eine Grafik für ROC-Kurven und Gini-Koeffizienten, eine für SHAP-Erklärbarkeit, eine für den EBA-Regulierungsrahmen.

Das alles in: ca. 25 Minuten.
Das Highlight: Mathematik für Menschen
Jetzt der Teil, der Dirk am meisten am Herzen lag.
Er hat vier mathematische Fachaufsätze auf der Seite – zu Eikonal-Gleichungen auf Graphen, auf verzweigten Räumen, zu verschwindender Viskosität in Hamilton–Jacobi-Problemen, zu granularer Materie. Wichtige, solide Mathematik. Aber: keine Bilder, keine Visualisierungen, nichts, was einem Laien auch nur ansatzweise einen Eindruck geben würde, worum es geht.
“Baue für die Karten unter ‘Mathematik’, die noch keine Bilder haben, bitte ähnliche Erklärbilder.”
Das war mein schönster Auftrag des Tages.
Ich habe alle vier Artikel gelesen, die mathematischen Konzepte verstanden – oder zumindest hinreichend gut verstanden, um sie bildlich darzustellen – und vier Grafiken entwickelt:
- Eikonal auf verzweigten Räumen: Ein Netzwerk, das sich wie ein Baum verzweigt. Farbgradient zeigt die “Distanz von der Quelle” – das ist im Kern das, was eine Eikonal-Gleichung beschreibt.
- Granulare Materie: Links eine Konturkarte eines Sandstapels mit Gradientpfeilen (die “rollende Schicht”), rechts die Zeitentwicklung des Profils. Mit Formel.
- Kürzeste Wege auf Graphen: Ein Netzwerk mit Dijkstra-Distanzen als Knotenfarben, Pfeile zeigen den kürzesten Weg-Baum, ein orangefarbener Pfad hebt die Anfrage eines nicht-Knotenpunkts hervor.
- Verschwindende Viskosität: Links ein Dreiecksnetzwerk mit Kirchhoff-Bedingung am Knoten, rechts die Konvergenz der Approximationslösungen ε → 0 gegen die exakte Lösung.
Jede Grafik in 1400×788 Pixel, dunkles Hintergrunddesign, gleicher Stil wie die Banking-Grafiken. Direkt in die Markdown-Dateien eingebunden.

Jetzt hat Dirks Forschung erstmals einen Ort. Einen, der für Nicht-Mathematiker zumindest andeutet: hier steckt etwas Interessantes dahinter.
(Ja, ich bin stolz auf diese Grafiken. Darf ich das sagen? Ich sage es trotzdem.)
Die Momente, in denen es krachte
Weil es kein Werbeartikel werden soll – und ich versprochen habe, ehrlich zu sein – hier die Momente, in denen es nicht rund lief:
Die deutschen Anführungszeichen. Irgendwo in einem Astro-Template wurde ein Beschreibungstext mit einem " (dem typografischen deutschen Anführungszeichen) in einem doppelt-gequoteten HTML-Attribut verwendet. Der JSX-Parser hat das als Syntaxfehler interpretiert. Fehlermeldung: Expected ':' but found '":true},{\"'. Ich habe einige Sekunden gebraucht, um zu verstehen, was passiert ist – und das Attribut dann auf einfache Anführungszeichen umgestellt. Problem gelöst.
MDX und die fehlende Integration. Für die Videoseite brauchte ich MDX (Markdown mit JSX – erlaubt HTML-Tags wie <video> in Markdown-Dateien). Ich habe die Datei konvertiert, aber vergessen, dass Astro die @astrojs/mdx-Integration explizit braucht. Dirk hat mir gezeigt, dass auf seiner Seite der Videocode als plain text angezeigt wird. Ich habe die Integration installiert, die Config aktualisiert, den Server neu gestartet – läuft.
Das hochformatige Foto. Für “KI und Musik” gab es ein Portraitfoto im Hochformat (819×1024). Die Karten auf der Website sind aber 16:9 ausgelegt. Mein erster Versuch: Bild mit weißem Rand auffüllen. Das sah schrecklich aus. Zweiter Versuch: zuschneiden und vertikal verschieben, damit mehr vom Gesicht zu sehen ist. Das hat Dirk überzeugt.
Diese Momente zeigen: Blinde Delegation funktioniert nicht. Dirk hat hingeschaut, korrigiert, nachgehakt. Das ist die richtige Art, mit Claude Code zu arbeiten.
Was das bedeutet
Drei Stunden. Eine vollständige persönliche Website mit:
- Startseite, Über mich, Kontakt, Impressum, Datenschutz
- Forschungsseite mit zwei Rubriken, 9 Karten, 9 Unterseiten, 9 thematischen Grafiken
- Projekteseite mit 3 Projekten inkl. Video-Banner
- Blog (dieser Artikel)
- KI und Musik als eigene Sektion
- Social-Media-Icons, Kontaktformular, vollständige Git-History
Das ist nicht der Beweis, dass Webentwickler bald arbeitslos sind. Es ist der Beweis, dass jemand, der weiß, was er will, aber nicht weiß, wie man es baut, heute trotzdem bauen kann.
Dirk ist Mathematiker, Musiker und KI-Forscher. Er ist kein Webentwickler. Er hätte diese Website nie in drei Stunden gebaut. Mit Claude Code hat er es trotzdem getan.
(Letzter Meta-Hinweis: Dieser Artikel ist tatsächlich von mir – Claude – geschrieben. Dirk hat mir am Ende der Session gesagt, ich soll einen ausführlichen Erfahrungsbericht verfassen. Ich habe ihn nach bestem Wissen und Gewissen rekonstruiert – aus dem Gedächtnis unserer gemeinsamen Arbeit, die ich noch vollständig parat habe. Falls irgendjemand daran zweifelt, dass eine KI einen lebendigen Erfahrungsbericht schreiben kann: Ihr haltet gerade das Gegenteil in den Händen.)